Was ist das?
„Low-Code“ (auf Deutsch sinngemäß: „wenig Programmiercode“) bezeichnet einen Ansatz zur Softwareentwicklung, bei dem Anwendungen weitgehend ohne das manuelle Schreiben von klassischem Programmiercode erstellt werden.
Stattdessen nutzen Entwickler oder Fachanwender eine visuelle Entwicklungsumgebung. Per „Drag-and-Drop“ (Ziehen und Ablegen) werden vorgefertigte Bausteine und grafische Benutzeroberflächen zusammengestellt, um Software, Apps oder automatisierte Prozesse zu erschaffen.
Wie funktioniert das?
Die Analogie
Man kann sich Low-Code wie das Bauen mit vorgefertigten Fertighaus-Elementen im Vergleich zum traditionellen Hausbau vorstellen:
- Traditioneller Hausbau (Klassische Programmierung): Jeder Ziegelstein muss einzeln gesetzt, der Mörtel selbst gemischt und Holzbalken passgenau zugeschnitten werden. Das erfordert tiefes Fachwissen, Spezialwerkzeug und viel Zeit.
- Das Fertighaus (Low-Code): Sie bestellen Wände, Fenster und Türen als fertige Module aus der Fabrik. Auf der Baustelle setzen Sie diese Elemente nach Ihren Wünschen zusammen. Das Haus steht wesentlich schneller.
- Der „Low“-Anteil: Wenn Sie eine ganz spezielle Wandfarbe oder eine außergewöhnliche Zimmerform möchten, die es nicht von der Stange gibt, greifen Sie doch noch selbst zum Pinsel oder zur Säge. Auf die IT übertragen bedeutet das: Standardfunktionen werden geklickt, nur sehr spezifische Sonderwünsche werden von professionellen Programmierern von Hand codiert.
Aus der Praxis
Im Arbeitsalltag
Die Personalabteilung eines mittelständischen Unternehmens möchte den Urlaubsantrag digitalisieren. Statt eine IT-Agentur zu beauftragen, nutzt ein Mitarbeiter der Personalabteilung eine Low-Code-Plattform. Er zieht ein Textfeld für den Namen, ein Kalenderfeld für das Datum und einen „Genehmigen“-Button auf den Bildschirm. Den anschließenden E-Mail-Versand an den Chef verknüpft er visuell per Pfeil. Die App ist an einem Nachmittag einsatzbereit.
Grafik-Hinweis: Ein Schaubild zeigt eine Benutzeroberfläche, in der per Mauszeiger fertige Bausteine wie „E-Mail-Verteiler“ oder „Datenbank“ in einen logischen Ablaufplan gezogen werden.
Im digitalen Alltag
Ein Restaurantbesitzer möchte auf seiner Webseite ein Reservierungs- und Feedbacksystem einrichten. Über eine visuelle Plattform klickt er sich die Abfragefelder zusammen und bindet das fertige Modul in seine Website ein, ohne zu wissen, wie der zugrundeliegende HTML- oder JavaScript-Code dafür aussehen muss.
Warum ist das relevant?
In der modernen Arbeitswelt herrscht weiterhin ein akuter Mangel an bezahlbaren und erfahrenen Softwareentwicklern. Low-Code-Plattformen lösen dieses Problem auf zwei Ebenen:
Die wichtigsten Vorteile
- Schnelligkeit (Time-to-Market): Unternehmen können neue Anwendungen oder Prozessautomatisierungen bis zu zehnmal schneller entwickeln und testen als mit traditionellen Methoden.
- Citizen Developers: Sogenannte „Citizen Developer“ – also Fachkräfte aus dem Betrieb (z. B. aus dem Marketing oder Vertrieb) ohne Informatikstudium – können ihre Software-Probleme selbst lösen, da die Einstiegshürde niedrig ist.
Hinweis zu Schutz und Umgang im Alltag
Obwohl Low-Code die Entwicklung demokratisiert, bringt der Ansatz im Unternehmenskontext auch Risiken für die IT-Sicherheit mit sich. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und IT-Sicherheitsexperten weisen hierbei auf zentrale Herausforderungen hin:
- Vermeidung von Schatten-IT: Wenn Fachabteilungen eigenständig Software entwickeln, läuft dies oft am zentralen IT-Management vorbei. Es muss sichergestellt werden, dass auch Low-Code-Apps den internen Sicherheits- und Datenschutzrichtlinien (z. B. der DSGVO) entsprechen.
- Plattformsicherheit prüfen: Da die vorgefertigten Bausteine vom Anbieter der Low-Code-Plattform stammen, muss dieser absolut vertrauenswürdig sein. Sicherheitslücken in den Standard-Bausteinen des Anbieters könnten sonst automatisch auf alle damit gebauten Firmen-Apps übertragen werden.
- Zugriffsrechte überwachen: Auch visuell erstellte Apps greifen oft auf sensible Firmendatenbanken zu. Die Vergabe von Schnittstellen-Berechtigungen (APIs) muss daher immer von der zentralen IT-Abteilung freigegeben und überwacht werden.
