Was ist das?
Disaster Recovery (Notfallwiederherstellung) bezeichnet die Strategie, die Prozesse und die technischen Maßnahmen eines Unternehmens, um nach einem schwerwiegenden Schadensereignis die Funktionsfähigkeit der IT-Infrastruktur schnellstmöglich wiederherzustellen.
Während ein Backup lediglich Daten sichert, umfasst Disaster Recovery den vollständigen Wiederaufbau der IT – von Servern über Netzwerke bis hin zu Arbeitsplätzen –, damit der Geschäftsbetrieb möglichst schnell fortgesetzt werden kann.
Wie funktioniert das?
Grundlage jeder Disaster-Recovery-Strategie ist ein Disaster-Recovery-Plan (DR-Plan). Dieser beschreibt detailliert, welche Maßnahmen nach einem Notfall durchgeführt werden und wer dafür verantwortlich ist.
Zwei Kennzahlen spielen dabei eine zentrale Rolle:
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RPO (Recovery Point Objective):
Wie viel Datenverlust ist maximal akzeptabel?
Beispiel: maximal 4 Stunden. -
RTO (Recovery Time Objective):
Wie schnell muss das System wieder verfügbar sein?
Beispiel: spätestens nach 2 Stunden.
Analogie aus dem Alltag
Stellen Sie sich ein großes Transportunternehmen vor, dessen gesamte Lkw-Flotte durch einen Brand zerstört wird.
Ein Backup entspricht den sicher aufbewahrten Fahrzeugpapieren und Kundenlisten – die Informationen sind vorhanden, aber es gibt keine Fahrzeuge mehr.
Disaster Recovery ist dagegen der fertige Notfallplan:
- Ersatzdepot aktivieren
- Ersatzfahrzeuge bereitstellen
- Fahrer informieren
- Lieferbetrieb schnell wieder aufnehmen
Übertragen auf die IT bedeutet dies häufig, dass Systeme in einem zweiten Rechenzentrum oder einer Cloud-Umgebung neu gestartet werden und der Geschäftsbetrieb möglichst ohne lange Unterbrechung weiterläuft.
Aus der Praxis
Ransomware-Angriff
Ein Unternehmen wird Opfer einer Ransomware-Attacke. Sämtliche Server sind verschlüsselt und der Betrieb steht still.
Statt Lösegeld zu zahlen, aktiviert die IT-Abteilung den Disaster-Recovery-Plan.
Die kompromittierten Systeme werden isoliert und anschließend auf einer sauberen Infrastruktur mithilfe aktueller Sicherungen vollständig neu aufgebaut.
Wasserschaden im Serverraum
Nach einem schweren Unwetter wird das Rechenzentrum eines Unternehmens überflutet.
Dank eines zweiten, geografisch getrennten Rechenzentrums übernimmt die Ersatzumgebung automatisch den Betrieb (Failover).
Für die Anwender bleibt der Ausfall nahezu unbemerkt.
Warum ist das relevant?
In modernen Unternehmen hängt nahezu jeder Geschäftsprozess von funktionierenden IT-Systemen ab. Ein längerer Ausfall kann erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.
- Minimierung von Ausfallzeiten: Produktionsausfälle, unterbrochene Lieferketten oder nicht erreichbare Onlineshops verursachen schnell hohe Kosten.
- Schutz der Unternehmensreputation: Kunden erwarten, dass digitale Dienste jederzeit verfügbar sind.
- Gesetzliche Anforderungen: Vorgaben wie die DSGVO oder die europäische NIS-2-Richtlinie verlangen von vielen Organisationen geeignete Maßnahmen zur Sicherstellung der IT-Resilienz.
- Schnellere Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs: Ein vorbereiteter Notfallplan reduziert Unsicherheit und sorgt für klare Abläufe im Ernstfall.
